The Bitter Years

The Bitter Years

The Bitter Years im Waassertuerm

The Bitter Years ist die letzte Ausstellung, die Edward Steichen 1962 als Direktor der Abteilung für Fotografie des Museum of Modern Art (MoMA) in New York, kuratiert hat.

Es ist eine Hommage an die Dokumentarfotographie mit mehr als 200 Bildern, die einem der größten Gemeinschaftsprojekte in der Geschichte der Fotografie entstammen: dem Dokumentarwerk der Farm Security Administration (FSA) über das ländliche Amerika während der Weltwirtschaftskrise, der Großen Depression.

Fünfzig Jahre nach ihrer ersten Ausstellung im MoMA befindet sich The Bitter Years seit 2012 in Düdelingen, Luxemburg auf dem Gelände eines ehemaligen Stahlwerks. Dort sind die Bilder in der einzigartigen Galerie des Waassertuerm, einem alten Wasserturm, der sich gleich neben dem Centre national de l'audiovisuel (CNA) befindet, dauerhaft untergebracht.

Mit der Absicht, eine Plattform für die Ausstellung zu erschaffen, verbindet das CNA Steichens Auswahl von FSA-Bildern mit Veranstaltungen und temporären Fotoausstellungen die im Pomhouse, dem alten Pumpenhaus direkt neben dem Turm. So wird aus dem Standort Waasertuerm+Pomhouse ein Ort des Dialoges zwischen der historischen Sammlung und der zeitgenössischen Fotografie.

 

  • Lucille Burroughs, la fille d’un cueilleur de coton, Hale County, Alabama. 1935 ou 1936 © Library of Congress
  • © CNA/Romain Girtgen
  • © CNA/Romain Girtgen
  • Dorothea Lange, U.S. No. 54, au nord de El Paso, Texas. Une des routes des migrants vers l'ouest, juin, 1938 © Library of Congress
  • Dorothea Lange, maison d'une bénéficiaire du programme de relogement rural, Tulare County, Californie. Novembre 1938 © Library of Congress
  • Un fermier des monts Ozarks et sa famille, Missouri. Mai 1940 © Library of Congress
  • Mère migrante. Cueilleurs de petits pois indigents en Californie ; mère de sept enfants âgée de 32 ans, Nipomo, Californie, férvier 1936 © Library of Congress
  • Anciens métayers Texans évincés par la mécanisation de l’agriculture. Mai 1937 © Library of Congress

Historischer Überblick

Die FSA – eine historische Mission

Eine historische Sektion dokumentiert mit einer Gruppe von Fotografen, innerhalb der Farm Security Administration, die Situation auf dem Lande in den Vereinigten Staaten. Diese dokumentarische Mission wird von Roy Stryker, Ökonom von der Columbia University in New York geführt. Er umgab sich mit einem talentierten Team von Fotografen, die das Land durchstreifte und die Landflucht, die Lebensbedingungen der Wanderarbeiter, sowie den Alltag der kleinen abgelegenen Städte, Denkmäler und Tafeln am Straßenrand dokumentierten. Beteiligt sind renommierte Autoren wie Walker Evans, Dorothea Lange, Ben Shahn und Russell Lee.

So enstehen bei der FSA innerhalb von 8 Jahren, etwa 250.000 Fotos und Negative, welche das Bild der Großen Depression in den Vereinigten Staaten markierten. Dieses Archiv ist ein bewegendes Bilderbuch Amerikas in der Krise, das nun zum kollektiven Bildgedächtnis der Großen Depression gehört.
 
Die FSA-Sammlung ist einzigartig in der Geschichte der Fotografie: es ist nicht nur das erste Mal, dass die Fotografie konsequent zur Dokumentation einer Situation eingesetzt wird, sondern „große visuelle Enzyklopädie Amerikas“ ist auch das bedeutendste kollektive Fotoprojekt, das jemals von einer Regierungsorganisation durchgeführt wurde.

Steichen & die Fotografen der FSA

Edward Steichen entdeckt die Bilder der Farm Security Administration 1938 bei der First International Photographic Exhibition im Grand Central Palace in New York. Er ist fasziniert von den Fotos und ihrer Fähigkeit Geschichten zu erzählen und Emotionen auszulösen. 1939 präsentiert Steichen eine erste Auswahl der FSA-Bilder in der renommierten Veröffentlichung US Camera Annual. Hier verbindet er seine Auswahl der Fotografien mit Kommentaren von Besuchern der Ausstellung von 1938, die in den Bildern entweder kommunistische Propaganda oder eine niederschmetternde Darstellung der Wirklichkeit sahen.

Steichen selbst sieht die Fotografien als die „bemerkenswertesten Zeugnisse menschlichen Daseins überhaupt". Sie werden ihn bis zum Ende seiner Karriere begleiten und 1962 sogar zum Mittelpunkt seiner letzten Ausstellung als Direktor des Departement of Photography des Museum of Modern Art werden.

Für die Bitter Years wählt Edward Steichen einige der ikonenhaftesten aber düstersten Bilder der FSA, entsprechend dem ursprünglichen Ziel der FSA-Mission: Armut im Bild erfassen und illustrieren, um so Mitgefühl für die Abgebildeten auszulösen, die zukünftigen Nutznießer der staatlichen Programme Franklin Roosevelts. Steichen zeigt gleichzeitig mutige, heldenhafte Menschen in einer dramatischen Inszenierung der Bilder.

Restaurierung & Konservierung

Die Werke der ursprünglichen Ausstellung präsentieren eine ähnliche Materialität wie die der Sammlung The Family of Man: sie besteht aus sehr variierenden Formaten von Silber-Gelatin-Abzügen, die auf einer Holzplatte aufgeklebt sind. Mit der Integration der Sammlung in die Archive des CNA, wurden die gesamten Abzüge mit Liebe zum Detail restauriert von den italienischen Experten Silvia Berselli und Sandra Petrillo.

Die empfindlichen Originalabzüge, die direkt auf Holzplatten aufgeklebt wurden, sind durch die vergangene Zeit und die langen Reisen zum Teil stark beschädigt. Die sorgfältige Arbeit der Restauratoren konnte den Bildern ihren ursprünglichen Glanz zurückgeben und gleichzeitig die Spuren der Geschichte erhalten. Nun werden die Fotografien in Archivboxen unter optimalen Bedingungen im Archiv des CNA gelagert.

Aufgrund der begrenzten Ausstellungsfläche in den Galerien des Waassertuerm und der langfristigen Konservierung der Fotograifen, ist ein Bildwechsel der Sammlung in regelmäßigem Intervall. 
 

© CNA/Romain Girtgen